Nichts für Ein­zel­kämp­fer

11.01.2018
Te­am­geist ist das A und O bei der Feu­er­wehr – Ge­spräch mit Kreis­brand­rat Mi­cha­el Stahl

Brand, Unfall, Unwetter – wo die Feuerwehr gebraucht wird, da ist Michael Stahl nicht weit. Seit seiner Jugend engagiert sich der 43-jährige Arracher bei der Wehr und kletterte dabei kontinuierlich die Karriereleiter im Feuerwehrwesen nach oben. Mit der Wahl zum Kreisbrandrat erklomm er im Oktober 2016 landkreisweit die höchste Stufe. Ein Ehrenamt, das allein im ersten Jahr mehr als 450 Termine mit sich brachte. „Dann habe ich aufgehört zu zählen“, seufzt Stahl. Ein viel beschäftigter Mann, trotzdem nimmt sich der zweifache Vater für das Gespräch mit der Chamer Zeitung ausgiebig Zeit. Als Dankeschön gibt es ein Frühstück mit Brötchen vom hiesigen Bäcker. Wohl bekomm’s.

 

Chamer Zeitung: Schmecken die Semmeln?

Michael Stahl: Die sind genau richtig, innen weich, außen knusprig.

 

Mehlstauballergie erforderte Umschulung

Sie können das ja fachmännisch beurteilen. Schließlich haben Sie Bäcker gelernt.

Und 14 Jahre in diesem Beruf gearbeitet. Eigentlich sollte ich die Bäckerei meines Vaters in Arrach übernehmen, aber dann änderte eine Mehlstauballergie alles. Mit Ende 20 hieß es, noch einmal von vorne anfangen. Ich schulte um auf Verwaltungsangestellter und bekam glücklicherweise eine Stelle beim Landratsamt.

 

Wo Sie seit einigen Jahren den Bereich Brand- und Katastrophenschutz leiten, genau Ihr Metier.

Ich bin sehr glücklich mit meinem Job, damit konnte ich meine Berufung zum Beruf machen. Er bietet den Freiraum, meinen Pflichten als Kreisbrandrat nachzukommen. Die Unterstützung durch Landrat Franz Löffler und meine Kollegen gibt mir dazu den notwendigen Halt.

 

Als Kreisbrandrat haben Sie ein ungewöhnlich komplexes, arbeitsintensives Ehrenamt übernommen – immerhin zählt der Landkreis Cham 190 Wehren.

Es fällt mir nicht schwer, Verantwortung zu übernehmen. Mit 18 war ich Jugendwart in meiner Heimatwehr, mit 27 der bislang jüngste Kreisbrandinspektor. Man wächst mit seinen Aufgaben, außerdem bin ich von meinem Vorgänger Johann Weber sehr gut auf diese Aufgabe vorbereitet worden.

 

In der Feuerwehr sind Teamplayer gefragt

Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?

Das Erreichte bewahren und fortführen. Besonders am Herzen liegen mir die Ausbildung und das Miteinander. In der Feuerwehr sind nicht Einzelkämpfer, sondern Teamplayer gefragt. Und auch wenn ich es während meiner Amtszeit nicht schaffen werde – am liebsten würde ich irgendwann jeden Feuerwehrkameraden auch mal persönlich kennenlernen.

 

Wie steht die Feuerwehr im Landkreis da?

Wir sind gut aufgestellt, vor allem was Fahrzeuge und Gerätschaften betrifft. Persönlich bin ein großer Freund von Spezialisierungen. Bei der Ausbildung, aber auch bei der Ausrüstung. Nehmen wir zum Beispiel das Wechselladersystem: Wir haben landkreisweit zwei Hakenfahrzeuge, an die verschiedene Container – sei es für Gefahrguteinsätze, Dekontaminierung, Hochwasser et cetera – gehängt werden können. Wir besitzen zehn solcher Spezialcontainer, in den nächsten Jahren sollen die Anzahl verdoppelt und vier weitere Hakenfahrzeuge angeschafft werden. Wichtig aber ist auch die Spezialisierung von Personen, sei es Flughelfergruppe, Schlauchwagenzug oder Ölwehr.

 

18 Kinderfeuerwehren im Landkreis Cham

Fahrzeuge sind das Eine. Das A und O aber sind die Freiwilligen, die ihre Freizeit für das Gemeinwohl opfern. Gibt es davon genug?

Der Idealismus in unserem Landkreis ist groß. Im Jugendbereich stehen wir sehr gut da, mittlerweile haben wir im Landkreis auch schon 18 Kinderfeuerwehren für Mitglieder im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Man muss das Interesse an der Feuerwehr früh wecken – wenn nur drei von zehn Kinderfeuerwehrlern später in den aktiven Dienst wechseln, dann haben wir alles richtig gemacht.

 

Also alles eitel Sonnenschein?

Es wird zunehmend schwieriger, die Tagesalarmsicherheit zu gewährleisten. Ab 17 Uhr haben wir kein Problem, aber tagsüber könnte es schon knapp werden, genug Einsatzkräfte zu bekommen.

 

Was tun?

Eine Möglichkeit ist die Doppelmitgliedschaft. Wenn zum Beispiel jemand in Lohberg wohnt und in Cham arbeitet, kann er in beiden Wehren Mitglied sein und wird alarmiert, wenn in Cham ein Einsatz ist.

 

Und sonst?

Quereinsteiger sind immer gefragt! Nach einem sechswöchigen Lehrgang mit wöchentlich je zwei Lerneinheiten besitzt jeder das erforderliche Basiswissen. An diese Grundausbildung kann man dann je nach Belieben weitere Fortbildungen anhängen. Wer Interesse hat, einfach beim Kommandant seiner Ortsfeuerwehr nachfragen.

 

Was macht die Frauenquote?

Im Jugendbereich beträgt sie 50 Prozent. Im aktiven Dienst liegt sie bei zehn Prozent. Wenn Frauen Familie haben, ist es nicht immer möglich, alles liegen und stehen zu lassen. Aber es gibt interessante Ansätze: Einige Feuerwehrfrauen haben sich kurzgeschlossen und wenn eine Alarmierung ist, packen sie ihre Kinder ins Auto, bringen sie zum Gerätehaus und eine Mutter beaufsichtigt die Kleinen, während die anderen ausrücken.

 

Wann fingen Sie eigentlich an, für die Feuerwehr „zu brennen“?

Es gibt ein Foto von mir als Vierjährigen, der mit einem großen roten Feuerwehrauto spielt. So weit ich zurückdenken kann, wollte ich zur Feuerwehr, schon mein Opa war Kommandant.

 

Vielleicht liegt es in den Genen?

(lacht) Kann sein. Und ich befürchte, mein dreijähriger Sohn ist auch schon mit diesem Virus infiziert.

 

Interview mit Doris Zitzelsberger von der Chamer Zeitung.