Der kleine Alleskönner – Ideenschmiede Kreisbrandinspektion Cham

29.08.2025
Ausrüstung
In den letzten Jahrzehnten galt bei der Neubeschaffung von Feuerwehrfahrzeugen die Devise „größer, höher und schwerer“. Ein Alleskönner zeigt seine Stärken.

Dies war zum einen dem Mehrbedarf an Ausrüstung durch viele neue Aufgaben geschuldet, zum anderen aber auch technischen Vorgaben wie z.B. der Abgasreinigung. So waren Tragkraftspritzenfahrzeuge vor ca. 40 Jahren noch in der 3,5 to-Klasse zuhause, während diese Fahrzeuge heute mit der 7,5 to-Marke kämpfen und mittlerweile häufig sogar überschreiten. Das Löschgruppenfahrzeug LF 8 war in der 5- bzw. 6 to-Klasse zu haben, das aktuelle Pendant heute erreicht und überschreitet die 12 to-Klasse.

In den letzten Jahren kommen auf die Feuerwehren jedoch zunehmend Aufgaben zu, für die diese Fahrzeuge zu groß und zu schwer sind. Immer mehr Einsatzstellen sind mit diesen Großfahrzeugen nicht oder nur sehr schwer zu erreichen.

Für die Feuerwehrführung im Landkreis Cham hieß das nach Alternativen Ausschau zu halten. Bereits bei der Waldbrand-Großübung „Roter Eber“ im Jahr 2018 waren mehrere ATV (All-Terrain-Vehicle) im Einsatz, die aus dem Privatbestand der Feuerwehrkameraden stammten. Grundsätzlich war das schon eine interessante Alternative, aber dann doch leider etwas zu klein. Fündig wurde man eine Fahrzeugkategorie größer, allgemein als UTV (Utility Task Vehicle) bezeichnet. Diese Fahrzeuge sind klein und wendig, haben eine umschlossene Kabine für zumeist 3 Personen (bei der langen Version bis zu 6 Personen) und eine kleine Ladefläche. Damit sind diese Fahrzeuge für viele Zwecke hervorragend geeignet.

Eingesetzt werden die UTV’s in erster Linie für den Transport von Material: Schläuche, Kleinpumpen und Handwerkzeug bei Vegetationsbränden. Die Fahrzeuge können insbesondere die sogenannten Rückewege in der Forstwirtschaft nutzen und so tief schweres Gelände eindringen. Auch der Nachschub an Betriebsstoffen und Verpflegung für die Einsatzkräfte lässt sich damit leicht vor Ort bringen. Aber auch technisches Gerät wie hydraulische und pneumatische Rettungsgeräte lassen sich leicht auf der Ladefläche verstauen und so in unwegsames Gelände bringen.

Mit der Firma SG Einsatztechnik aus Eschlkam hat man vor Ort eine kleine Fahrzeugmanufaktur gefunden, die sich aufgeschlossen für eigene Innovationen zeigte und diese auch umsetzt. Die heimische Firma ermöglichte kurze Wege für Besprechungen und Tests. Inzwischen konnten auf Initiative der Feuerwehren auch mehrere Sonderlösungen umgesetzt werden.

Mit Wechselcontainern können die Ladeflächen u.a. bestückt werden mit Löschaufsätzen, die bis zu 200 Liter Wasser, eine kleine Pumpe (auf Wunsch mit Hochdruck) und die erforderlichen Armaturen transportieren.

Mehrere UTV’s wurden so aufgerüstet um als optimales Einsatzmittel für Sicherheitswachen zu dienen. So nutzt die FF Rimbach das UTV bei den Festspielen auf Burg Lichteneck, die FF Bad Kötzting für die Festspiele auf dem Ludwigsberg und die FF Furth im Wald bei der Landesgartenschau. Bei den überörtlichen Katastropheneinsätzen im Ahrtal 2021 und in Schwaben 2024 wurden seitens der Kontingente des Landkreises Cham ebenfalls UTV’s mitgeführt. Auch dort konnten sie ihre Vielseitigkeit bei Erkundungs- und vielfältigen Transportfahrten zeigen. In Schwaben war ein UTV zusätzlich als Kleineinsatzfahrzeug im Einsatz. Einhellig waren die beteiligten Einsatzkräfte der Meinung, dass künftig bei derartigen Einsätzen noch mehr auf UTV’s zurückgegriffen werden sollte.

Allerdings zeigte sich dabei auch deutlich der Hauptnachteil dieser Fahrzeuge. Für Fahrten über lange Distanzen sind diese nicht geeignet und müssen daher auf separaten Transportfahrzeugen oder Anhängern mitgeführt werden.

Einen weiteren Schub in der Beschaffung von UTV’s war eine weitere Waldbrand-Großübung mit Namen „Heißer Bogen“ im Jahr 2023. Angetan von den Einsatzmöglichkeiten der UTV’s haben sich weitere Feuerwehren für die Beschaffung entschieden, so dass aktuell 11 UTV’s im Landkreis Cham verfügbar sind – Tendenz steigend.

Eine weitere Innovation stellen die im Landkreis Cham entwickelten Anhänger für die UTV dar. Die Anhänger verfügen über großvolumige Geländereifen auf einer Tandemachse und können so ebenfalls im schweren Gelände vom UTV gezogen werden. Damit erhöht sich erheblich das Transportvolumen. Mit den Hängern können sowohl zusätzliches Personal und Material, aber auch bis zu 500 Litern Löschwasser in installierbaren Tanks mitgeführt werden. Des Weiteren wurde eine Schlauchbox entwickelt, so dass das Gespann auch als hochgeländegängiger Schlauchverleger genutzt werden kann. Weitere Innovationen werden sicherlich noch folgen.

Neben dem feuerwehrgerechten Ausbau von UTV’s hat die Zusammenarbeit der Feuerwehr mit der Fa. SG Einsatztechnik eine weitere Innovation hervorgebracht. Für ehemalige Unimogs aus Bundeswehrbeständen mit Plane/Pritsche-Aufbau wurde ein Gerätesatz Waldbrand entwickelt. Dieser besteht aus einem 1000 Liter-IBC-Behälter alternativ einem Flexitank sowie einem Gestell für einen erweiterten Gerätesatz Waldbrand, der Armaturen, Löschrucksäcke, kleine tragbare Pumpen und Faltbehälter beinhaltet. Das Gestell gibt es in zwei Varianten: einmal mit Gabelstaplertaschen und einmal zerlegbar, so dass es schnell von Hand abgeladen werden kann. Das Trägerfahrzeug steht somit auch schnell für andere Transportaufgaben z.B. Sandsäcke oder verschmutzte Schläuche zur Verfügung. Von Vorteil erweist sich bei diesen Lösungen, dass die meisten Mitarbeiter von SG Einsatztechnik aktive Feuerwehrleute sind und diese somit sehr schnell erfassen welche Lösung die Feuerwehr haben möchte. Aktuellstes Projekt ist ein GW-TS auf Pick-up mit Standardmodul TS und Wechselmodul Waldbrand.

Der Landkreis Cham hat in den letzten Jahren ein Wald- und Vegetationsbrandkonzept erarbeitet. Ein wesentlicher Teil davon ist ein Fahrzeug- und Ausrüstungskonzept, das immer wieder entsprechend beübt wird. Jüngstes Beispiel ist die Großübung „Flammendes Steindl“ im Mai diesen Jahres. Daneben besteht ein Ausbildungskonzept, das in die Bildung von fünf Sonderzügen für die Vegetationsbrandbekämpfung mündet. Damit will man für die künftigen Klimaentwicklungen und deren Auswirkungen auf das Einsatzgeschehen gerüstet sein.

UTV’s sind ein wichtiger Baustein in dieser Entwicklung.