Landkreis Cham plant und rüstet sich für Blackout

19. November 2022
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Das Thema Blackout ist aktuell in aller Munde. Für den Fall, dass der Strom über Stunden oder Tage ausfällt, planen der Landkreis und die Gemeinden mögliche Szenarien.

Auch wenn dies ein sehr unwahrscheinlicher Fall ist, wie auch Landrat Löffler betont, will man gerüstet sein für kurzfristige Stromausfälle. Bei den 39 Gemeinden wird aktuell der Ist-Zustand erfasst. Kreisbrandrat Michael Stahl und die weiteren Mitarbeiter vom Sachgebiet Katastrophenschutz im Landratsamt beraten auch die Gemeinden.

Kreisbrandrat Stahl versichert, „wir müssen nicht bei null anfangen!“ Bereits 2019 fanden die ersten Besprechungen zu diesem Thema statt. Nach den Diskussionen über die Konstanz der Stromversorgung inmitten der Energiekrise, nach der Flut im Ahrtal und Meldungen über Cyberkriminalität sei man nun sensibel geworden. "Egal, was der Auslöser für einen Stromausfall ist, es ist gut, wenn es Vorkehrungen gibt", will Löffler die Konzeption ganz sachlich angehen.

In den vergangenen Wochen fanden dazu zahlreiche Besprechungen statt. Schon jetzt gibt es Einrichtungen - beispielsweise die Kliniken und auch viele Pflegeeinrichtungen -, die ihre Notstromversorgung im Griff haben. Auch die kommunale Wasser- und Abwasserversorgung sei weitgehend für den Fall des Falles abgesichert. Bei vielen weiteren Einrichtungen gelte es nun, abzufragen, was vorhanden und was sinnvoll sei. So listen beispielsweise die Ärzte zurzeit unter der Regie von Dr. Johanna Etti die Patienten auf, die auf einen Heimbeatmungsplatz angewiesen sind. Das Amt für Landwirtschaft kümmert sich wiederum um die Bauernhöfe. Auch da könne ein Stromausfall schnell zur existenziellen Gefahr werden, stellte Löffler fest und zog als Beispiel einen Geflügelhalter heran. Blieben die Ställe Stunden oder Tage unversorgt, könnte der ganze Bestand verenden. Hier brauche es eine gewisse Eigeninitiative, um gerüstet zu sein.

Doch auch die Kommunen sah Löffler in der Pflicht. Jede Stadt und jede Gemeinde soll in den nächsten Wochen einen Anlaufpunkt nennen, der im Notfall für die Bürger offensteht. Prädestiniert seien die Feuerwehrgerätehäuser oder andere zentrale gemeindliche Einrichtungen. In diesen sogenannten Leuchttürmen könnten die Bürger dann Informationen bekommen oder Notrufe absetzen. Dort sollen die Hilfen koordiniert und im absoluten Notfall auch Hilfsbedürftige untergebracht werden. Denn die Hoffnung, dass im Falle eines Falles das Handy funktioniert, sei vergebens, warnte Löffler. Ohne Strom brechen ganz schnell die Mobilfunkmasten weg. Er verwies auf die zerstörerische Flut im Ahrtal: "Die hat uns die Grenzen der digitalen Welt aufgezeigt." Die Annahme, man könnte auf Sirenen oder analogen Funk ganz verzichten, sei wohl ein Trugschluss gewesen.

Bis Weihnachten müssen die Kommunen ihren Status quo ans Landratsamt melden. Allerdings warnte Löffler vor überzogenen Erwartungen. "Wir können uns nur um besondere, eklatante Lebensbereiche kümmern." Es sei schlicht nicht machbar, als Landkreis eine parallele Stromversorgung für den Notfall aufzubauen.

Darüber hinaus sei jeder einzelne gefordert, sich Gedanken zu machen und vorzusorgen.