Die Feuerwehr wird weiblich

11. Januar 2019
Frauenarbeit
Mit Carola Weißthanner und Alexandra Raab haben erstmals zwei Frauen das Sagen.

Die beiden sind ein Novum im Landkreis, eine „einzigartige Konstellation“, wie Carola Weißthanner sagt. Die 28-Jährige ist seit Sonntag Kommandantin der Traitschinger Feuerwehr. An ihrer Seite steht Alexandra Raab (19) als neue Vorsitzende dem Feuerwehrverein vor. Zwei Frauen gemeinsam an der Spitze einer Freiwilligen Feuerwehr gab es im Landkreis Cham bislang noch nicht.Aus ganz Deutschland haben die beiden über Facebook und WhatsApp seitdem Glückwünsche bekommen, berichtet Raab ein paar Tage nach ihrer Wahl von der großen Resonanz. Das zeige, dass es trotz aller Emanzipation doch noch etwas Besonderes ist, dass Frauen die Führung einer Feuerwehr übernehmen. Ein bisschen wirken die beiden selbst noch überrascht, dass sie bei der Jahresversammlung am Sonntag so großen Rückhalt spürten. Die Angst vor Vorbehalten, dass manches ältere Mitglied eine Frau als Chefin nicht akzeptieren würde, war durchaus da, räumen Raab und Weißthanner ein. Aber spätestens das gute Ergebnis zeigte ihnen, dass diese Sorge unbegründet war.

 

„Ein 19-jähriges Deandl“ an der Vereinsspitze

In Traitsching mussten diesmal beide Führungsposten neu besetzt werden – und das vergleichsweise überraschend. Der plötzliche Tod des bisherigen Vorsitzenden machte über kurz oder lang die Suche nach einem Nachfolger nötig. Die Erste, die sich aus der Deckung wagte, war Alexandra Raab. Allerdings nicht, um selbst zu kandidieren. „Ich habe einen Vorschlag gemacht“, erzählt sie. Aber ihr Favorit habe abgelehnt. Und plötzlich sei die Frage aufgekommen: „Was ist eigentlich mit dir?“ Sie selbst war mehr als überrascht. „Ihr könnt’s doch kein 19-jähriges Deandl vorne an einen Verein mit 300 Mitgliedern stellen“, habe sie erstaunt reagiert. Doch ihre Kollegen in der Vorstandschaft meinten es ernst.

„Bei mir war es spontaner“, sagt Carola Weißthanner, die sich seit mehr als 15 Jahren beim Roten Kreuz engagiert. Zur aktiven Feuerwehrlerin wurde sie 2013 durch ihren Lebensgefährten Thomas Wittmann, dem bisherigen Kommandanten der Traitschinger Wehr. Nachdem er kürzlich zum Kreisbrandmeister befördert wurde, war sein Posten neu zu besetzen. Wie so oft, gestaltete sich die Suche schwierig. „Am Tag vor der Wahl stand noch gar nichts fest“, erzählt Weißthanner. Sie sei zwar im Gespräch gewesen, „aber ich habe eher gedacht, dass ein Mann Kommandant werden sollte“, sagt sie. „Außer es findet sich wirklich keiner ...“ So kam es dann.Bei der aktiven Truppe, da war sich Weißthanner sicher, würde es keine Vorbehalte gegen eine Kommandantin geben, trotz deutlicher Männerüberzahl. Obwohl sich die Damenfeuerwehr in den Verein stark einbringt, können Raab und Weißthanner die Mitstreiterinnen, die auch in den Einsatz gehen, an einer Hand abzählen. „Schau’ma mal, ob’s jetzt mehr werden“, sagt die neue Kommandantin. Sie selbst ist bei den meisten der im Schnitt 40 Einsätze im Jahr dabei. Halbtags in einem Dentallabor beschäftigt, kann sie oft auch tagsüber mit ausrücken. Und wenn nicht: „Wir haben eine eingespielte Truppe. Und den zweiten und dritten Kommandanten gibt es auch noch.“

 

In nur wenigen Jahren bei der Wehr etabliert

Verantwortung zu übernehmen, ist für beide Frauen kein Neuland. Alexandra Raab, die 2011 schon mit elf Jahren erste Schritte bei der Feuerwehr machte, ist seit 2016 Damensprecherin und arbeitete damit im Vorstand mit. Weißthanner wiederum hat sich als Aktive bei Übungen und im Einsatz in nur wenigen Jahren etabliert. Ganz überraschend ist die Wahl der Beiden an die Spitze also doch nicht.Und obwohl die Kür zumindest von Raab so gut wie feststand, war sie aufgeregt. „Ich habe die Nacht vorher nicht gut geschlafen“, erzählt sie. Aber umso besser sei das Gefühl nach der Versammlung gewesen, als zusätzlich zum Rückhalt in der Wehr auch noch feststand, dass sie mit Weißthanner weibliche Unterstützung hat. Die Beiden sind jetzt nicht mehr nur Nachbarinnen, sondern arbeiten auch bei der Feuerwehr eng zusammen.Viel Zeit bleibt nicht, dann geht es in die Vollen. Schon am Sonntag leitet Raab ihre erste Sitzung. Gerade am Jahresanfang will vieles geplant werden. Welche Geburtstage und Feste stehen an? „Ich hoffe, wir vergessen nichts“, sagt Raab, die als Verwaltungsfachangestellte bei der Gemeinde Traitsching arbeitet. Jetzt ist es an ihr, alles zu organisieren. „Und man muss immer anwesend sein.“ Weißthanner nickt. Ihr blüht als Nächstes die Erstellung der Übungspläne. Und irgendwann kommt er dann, der erste Einsatz unter ihrem Kommando. „Das Herz klopft da schon“, gesteht sie.Einen Wunsch haben die Beiden noch. „Wir haben uns bei der Wahl sehr über die Unterstützung gefreut“, sagt Weißthanner. „Es wäre schön, wenn die auch weiter da ist.“ Und Raab ergänzt: „Dass, wenn die Sirene geht, auch weiter so viele zur Verfügung stehen.“

 

Bericht von Michaela Sturm, Chamer Zeitung