Ser­vus, eu­er al­ter Flo­ri­an Cham 3/1!

7. Februar 2018
Landkreisführung
Jo­sef Früchtl ver­ab­schie­det sich als Kreis­brand­meis­ter von sei­nen zwölf Feu­er­weh­ren.

„Servus, pfüad euch, euer alter Florian Cham 3/1!“ Mit diesen Worten hat sich Josef Früchtl von „seinen“ zwölf Feuerwehren verabschiedet. Von 2001 bis Ende 2017 war er für sie als Kreisbrandmeister (KBM) verantwortlich und an 365 Tagen rund um die Uhr unter dem Funkrufnamen „Florian Cham 3/1“ unterwegs. Früchtl hatte aber auch gleich eine Zusage parat: „Wenn‘s mich braucht‘s – ich bin auf jeden Fall für euch da!“

 

„Eher einer von der ruhigen Sorte“

Im Rahmen einer Feierstunde im Feuerwehrgerätehaus Loifling verabschiedeten Kommandanten, Vorsitzende sowie Feuerwehrwehrführungskräfte den ehemaligen Kreisbrandmeister aus der Führungsriege. In einer Laudatio stellte Kreisbrandrat Michael Strahl den „Feuerwehr-Lebenslauf“ des 63-Jährigen dar und würdigte seine Leistungen. Der „Sepp“, wie er von seinen Feuerwehrfreunden liebevoll gerufen wird, war eher einer der ruhigen Sorte. Durch seine stoische Ruhe strahlte er Gelassenheit, Weitblick, Kompetenz und Umsicht aus. Wenn es aber um die Feuerwehr ging, hatte er auch Ecken und Kanten. Eines seiner wichtigsten Anliegen war die Ausbildung in den Feuerwehren sowie das Ablegen der Leistungsprüfungen als wichtiges Element der Grundausbildung. In der Maschinisten-Ausbildung war er einer der Ersten im Landkreis. Hohen Stellenwert hatte bei dem scheidenden Kreisbrandmeister die Jugendarbeit. So kam es nicht von ungefähr, dass er bei jedem Wettbewerb als Schiedsrichter anwesend war.

Stahl erinnerte, dass Früchtl am 1. Mai 1971 in seine Heimatwehr in Chammünster eintrat. Von 1994 bis 2006 war er stellvertretender Kommandant. Am 1. August 2001 trat er auf Bitten des damaligen Kreisbrandinspektors Max Muhr das Amt des Kreisbrandmeisters für zwölf Wehren, bestehend aus den Feuerwehren Cham, Chammünster, Chameregg, Hof, Vilzing, Haderstadl, Loifling, Gutmaning, Schachendorf, Traitsching, Sattelpeilnstein und Birnbrunn, an. Neben vielen Lehrgängen – bis hin zum Verbandsführer – war für Früchtl auch die Ablegung aller Stufen des Leistungsabzeichens selbstverständlich. Der Kreisbrandrat ging auf die vielen Einsätze ein, die der scheidende KBM in umsichtiger Form mitgeleitet habe: angefangen von der Rettung von Kleintieren über das Beseitigen von Ölspuren bis hin zu der großen Anzahl von Verkehrsunfällen. Stahl betonte, dass es sich bei Früchtls Kreisbrandmeisterbereich um den einsatzstärksten Bereich im Landkreis, bedingt auch durch die drei Bundesstraßen, handle. Er erinnerte an das Hochwasser im August 2002, Brände, wie der Wohnhausbrand im Ortskern von Chammünster 2002, der Großbrand eines Möbelhauses im Süden der Stadt 2007 oder der Wohnhausbrand in Rissing im November 2015. Besonders tragisch waren die unzähligen Einsätze bei schweren Verkehrsunfällen mit oft mehreren Toten.

 

Ohne Hektik richtige Entscheidungen getroffen

Stahl verwies in diesem Zusammenhang auf die wichtige Kameradschaft der Feuerwehrler, welche Früchtl immer gepflegt habe. Bei allen Einsätzen habe er Ruhe ausgestrahlt und stets ohne Hektik die richtigen Entscheidungen getroffen. Der Feuerwehrchef kündigte weiter an, dass Früchtl bei der Versammlung des Kreisfeuerwehrverbandes am Freitag, 20. April, für seine Verdienste zum Ehrenkreisbrandmeister ernannt werde. „Das Feuer hat dir Arbeit gebracht, du bist ausgerückt bei Tag und Nacht. Es waren Jahre ohne Jahreszeiten, denn Feuer kann immer Ärger bereiten. Den Alarm brauchst du ab jetzt nicht mehr – und wenn du nicht kommst, fehlt etwas sehr. Der Dienst ist vorbei, der Ruhestand nah, doch auch dann sind wir für dich noch da“, so die Worte des Kreisbrandrates.

Kreisbrandinspektor Marco Greil sowie Früchtls Nachfolger Thomas Wittmann hatten lobende Worte für den scheidenden Feuerwehrler parat: „Er war ein verlässlicher Kreisbrandmeister, ein klarer Entscheider, eine zuverlässige Führungskraft, ein Zuhörer, Mensch, ein Floriansjünger, der bereit war, Tag und Nacht für seine Feuerwehren und ihre Belange einzutreten!“ Er habe stets das Ohr an der Mannschaft gehabt und ihr, wenn nötig, den Rücken gestärkt. Sie überreichten einen Reisegutschein an Früchtl. Als Dank für ihre Unterstützung durfte sich Ehefrau Hilde über Blumen freuen.

 

Quelle: Chamer Zeitung